Mel KriegerGeboren am 28. August 1928, gestorben am 7. Oktober 2008 Jetzt ist er für immer gegangen. Er, der so vielen die Quintessenz des Fliegenwerfens nicht nur vermittelt, sondern auch vorgelebt hat. Mit seiner unnachahmlichen Fähigkeit, Menschen für das Fliegenwerfen zu begeistern und mit seiner ansteckenden Fröhlichkeit, zeigte er allen, dass diese Passion Spaß macht und einfach zu erlernen ist: „Stop – stop – and the line goes out.“ Kennen gelernt habe ich Mel dank meines Freundes Christopher Rownes, nachdem Mel 2001 den Wunsch geäußert hatte, eine deutsche Ausgabe seines Buches produzieren zu lassen. Aber es sollte eine ganze Weile dauern, bis es zu einem persönlichen Treffen kam. Im Juli 2006 war es endlich soweit: Mel kam begleitet von seiner Frau Fanny zur Tour durch die Schweiz und Deutschland. Es war ein ungewöhnlich heißer Sommer. In Zürich standen wir bei weit über 30 °C den ganzen Tag in der prallen Sonne und meine Stimme war am Ende des Workshops vom Simultanübersetzen arg heiser geworden, nicht so bei Mel. Er meinte zu den Teilnehmern, wir müssten langsam zum Schluss kommen, da sein Übersetzer offensichtlich zu erschöpft wäre. Er war immer zu einhundert Prozent präsent und ist jedem Wunsch nach einer Buchsignierung ganz individuell und freundlich nachgekommen. Kaum war Mel nach der anstrengenden Europatour dieses Jahr zu Hause angekommen, sagte er mir, dass wir sie nächstes Jahr unbedingt wiederholen sollten. Es war faszinierend mit ihm zusammen zu arbeiten. Er sprühte trotz seines hohen Alters vor Energie und Witz. Wenn die Workshop-Teilnehmer am Nachmittag bereits erschöpft waren, feuerte er sie an: „Je schneller ihr zusammen kommt, wenn ich die nächste Übung vorstelle, um so mehr könnt ihr lernen." Starallüren kannte er nicht, im Gegenteil, er erfreute sich auch am werferischen Können anderer. Er hatte das Fliegenwerfen durchdrungen, die Quintessenz destilliert. Er hatte es nicht nötig, sich von andern durch „neue“ Würfe abzusetzen. Zwischen Stil und Substanz zu unterscheiden, das war ihm wichtig zu vermitteln. Alle „neuen“ Würfe konnte er mühelos auf ihre Substanz reduzieren. Mel schrieb in seinem Buch “Sie werden mich etwas kennen gelernt haben, wenn Sie dieses Buch gelesen haben. Ich hoffe, dass sich unsere Wege eines Tages an einem schönen Forellenfluss kreuzen werden und ich Sie kennen lernen werde.“ Ich bin ihm sehr dankbar, dass er vielen von uns die Möglichkeit gegeben hat, ihn sogar noch etwas besser kennen zu lernen. Eine seiner vielen Weisheiten war: „Beim Fliegenwerfen wirst du immer was dazulernen, bis zu dem Tag, an dem du nicht mehr zum Fluss gehen kannst.“ Einige Wochen nach seinem achtzigsten Geburtstag ist Melvin L. Krieger in San Francisco am 7. Oktober 2008 gestorben. Seine Frau Fanny schrieb mir: „Er hatte ein wunderbares Leben, er konnte alles tun, was ihn erfreute, lehren, Abenteuer suchen, so viel mit allen teilen, die ihn geliebt haben, seiner Familie und seinem großen Freundeskreis. He did it his way.“ Peer Doering-Arjes Springforelle © 2008
Portrait Mel Krieger
Eine Lehrstunde mit Mel Fliegenwerfen im Walzertakt Teilnehmerbericht 2006
Teilnehmerbericht 2008 |
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